Uwe's Karriere.
Diese begann mit allem außer Senf. In seiner Jugend, fasziniert von einem Filmset in Italien, träumte er von der Welt des Stuntmans: Sprünge von Häusern, Feuerstunts, atemberaubende Automanöver – all das übte eine unwiderstehliche Anziehungskraft aus. Es dauerte nicht lange, bis er seinen gewohnten Pfad verließ und in die ungewisse Sphäre der Filmstunts eintauchte.
Gemeinsam mit einem Jugendfreund trainierten sie auf einem verlassenen Flughafengelände: Sie falteten Tausende von Kartons, um aus mehreren Metern Höhe hineinzuhechten; erwarben alte Autos, um nicht nur 180-Grad-Drehungen zu meistern, sondern auch Aufprallstunts, Motorradstürze und Überschläge. All dies filmten sie und schnitten daraus ein beeindruckendes Reel, das ihnen die ersten echten Engagements als Stuntmen verschaffte. Kurze Zeit später zog es Uwe nach Amerika, wo er eine professionelle Ausbildung absolvierte und an der Police Academy Show mitwirkte.
Über die Jahre führten ihn seine Stunts in die Welt der Werbefilme, wo er für Ikonen wie Porsche, Ferrari und Rolls-Royce arbeitete. Höhepunkte der jüngsten Zeit: Precision Driver in John Wick 4 und Stunt Coordination für den Porsche Super Bowl Spot „The Heist“. Doch wie wurde aus dieser pulsierenden Historie – Senf?
Die Gemeinsamkeiten mit Julien.
Durch das Motorradfahren kam Julien in Berührung mit Freestyle-Motorradstunts. Im Gegensatz zu Uwe ging es hier nicht um Darbietungen vor der Filmkamera, sondern um atemberaubende Auftritte vor einem live Publikum auf Events. Für diese Vorführungen trainierte Julien mehrmals wöchentlich im Hamburger Hafen, wo er durch einen glücklichen Zufall – über eine gemeinsame Bekanntschaft – Uwe kennenlernte. An Juliens 19. Geburtstag grillten sie gemeinsam mit Juliens damaliger Freundin im Hafen. Trotz des Altersunterschieds teilten beide bereits damals einen feinen Sinn für Genuss und Geselligkeit. In den folgenden Jahren blieb der Kontakt oberflächlich: gelegentliche Telefonate oder ein kurzes Mittagessen – doch vorerst sollte es dabei bleiben.
Durch seine heutige Frau entdeckte Julien zunehmend seine Leidenschaft für den Film – allerdings nicht wie Uwe vor der Kamera, sondern dahinter. Er liebte es, Filme zu drehen und vor allem zu schneiden. Über die Jahre arbeitete er freiberuflich als Cutter für diverse Agenturen. 2018 schuf er seinen eigenen Kurzfilm „I DO ME“, über den er sich mit Uwe austauschte und der später mehrere Auszeichnungen bei Kurzfilmfestivals einheimste. Dies markierte den Moment, in dem die Verbindung zwischen den beiden inniger wurde. Als Uwe Ende 2019 und Anfang 2020 den Porsche-Werbespot „The Heist“ drehte, vertieften sie sich in ausgiebigen Gesprächen über die Kunst des Films.
Der Ausbruch der Pandemie 2020 traf beide hart: Alle Aufträge wurden abgesagt, und das Einkommen der beiden Selbstständigen sank auf null. Während des ersten Lockdowns trafen sie sich zum Grillen, um einander Mut zuzusprechen. Dabei planten sie einen kurzen Film über Uwes Leben, „Cosmic Balance“ – doch weitaus bedeutsamer: Uwe stellte seinen hausgemachten Senf auf den Tisch.
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